Calming Signals

1 Jun, 2015

Calming Signals

Der Hund verständigt sich anders wie der Mensch nicht übergeordnet durch akustische Signale. Jetzt wird der ein oder andere sagen, na also mein Hund der spricht schon sehr viel mit mir. Dieses Verhalten ist jedoch über Jahre hinweg entstanden und hat mit dem üblichen Verhalten des Wolfes nicht mehr viel gemeinsam. Wölfe bellen sehr selten und dann nur kurz und monoton, um Gefahr anzuzeigen. Viele Lautäußerungen unserer Hunde dienen ausschließlich der Verständigung mit dem Menschen und sind daher im Repertoire des Wolfs nicht zu finden (vgl. Bloch, 2010, S. 119). Viel bedeutender sind die vom Menschen so oft vernachlässigten nonverbalen Signale. Wölfe/Hunde verständigen sich also körpersprachlich, mit Mimik, sowie akustisch, chemisch und taktil. Wichtig dabei ist grundsätzlich sich den kompletten Hund mit allen seinen Körperteilen anzusehen, denn nur wenn ich alles betrachte, kann ich die Kommunikation richtig deuten. Das braucht Übung und Geduld, aber macht richtig Spaß wenn man mal rein kommt.

Heute möchte ich kurz auf die so wichtigen Calming Signals eingehen. Zu dieser Kategorie gehören die Beschwichtigungssignale  und die Beruhigungssignale. Zwischen den beiden besteht ein gravierender Unterschied der nicht vernachlässigt werden darf.

Beschwichtigungssignale werden vom rangniedrigeren Wolf benutzt um dem ranghöheren Wolf seine Unterwürfigkeit zu bestätigen und somit einen Konflikt abzuwenden.

Beruhigungssignale werden vom ranghöheren Tier gegenüber dem rangniedrigeren Tier oder dem  Nachwuchs gezeigt, um Situationen zu beruhigen.

(Vgl.ebd.S.115)

Generell sollen Calming Signals also deeskalierend wirken und sind sozusagen die Höflichkeitsregeln der Hunde. Zum einen sagen Hunde damit: “ von mir geht keine Gefahr aus“ zum anderen können sie aber damit auch Ausdrücken“ Du siehst für mich bedrohlich aus und ich will bitte keinen Konflikt mit dir“. Es ist also wichtig die Signale als Hundehalter zu kennen und dem Hund wenn er Beschwichtigungssignale zeigt mit dem richtigen Verhalten  unterstützend zu Seite zustehen.

Laut der Hundeexpertin und Hundetrainerin Turid Rugaas gibt es mannigfaltige Beschwichtigungssignale, welche sie bei ihren Forschungen zu dieser Thematik an Hunden beobachtet hat. Jedoch muss man auch hier immer die Situation miteinbeziehen, denn nicht jedes vermeintliche Signal ist auch als solches zu werten. Die wichtigsten Signale werden nachfolgend aufgezählt

Welche Signale gibt es also?

  • Nase lecken
  • Gähnen
  • den Kopf abwenden
  • Züngeln, also sich über die Nase lecken
  • Pfote heben
  • Augenlider leicht senken,
  • erstarren/ einfrieren
  • langsame Bewegungen
  • Vorderkörper tiefstellen (sich strecken)
  • sich hinsetzen oder hinlegen
  • Bogen gehen
  • auf dem Boden schnüffeln

 

Manche Forscher sind der Meinung, dass diese Signale mehr auf einen inneren Konflikt hindeuten und eher eine Konfliktreaktion sind. Was es am Ende auch sein mag, Beschwichtigung oder Konflikt, in dieser Situation benötigt der Hund unsere Aufmerksamkeit und unsere Führung. Gerade in der Arbeit mit Menschen, darf keine Überforderung und ein Unwohlsein aufkommen. Auch für den nicht beruflich bedingten Hundehalter ist es interessant.

Denn es kann schon vorkommen, dass Waldi nicht sofort kommt, wenn man ihn ruft. Und wenn er dann kommt dann läuft er auch noch einen Bogen auf sein Herrchen zu und schnüffelt uninteressiert am Boden. Eine Frechheit mag sich der unwissende Hundehalter denken uns seinen Hund erst recht schimpfen. Aber wir wissen es nun besser, wir wissen nun das der Hund einfach nur zu verstehen gibt, dass er keinen Konflikt möchte und wir eventuell bedrohlich auf ihn wirken.

Und nun viel Spaß, beobachtet eure Hunde, achtet darauf ob sie oben genannte Signale in konfliktbelasteten Situationen zeigen. Ihr werdet sehen wie spannend das Ausdrucksverhalten eurer Hunde ist und wie schön es ist sie ein bisschen besser zu verstehen.

Quelle:

Bloch, Günther und Radinger, Elli (2010) Wölfisch für Hundehalter Von Alpha, Dominanz und anderen populären Irrtümern; Franckh-Kosmos Verlag: Stuttgart

Rütter, Martin (2009) Sprachkurs Hund Körpersprache verstehen, richtig kommunizieren;Franckh-Kosmos Verlag: Stuttgart

Braun, Martina (2010) Hündisch für Nichthunde So verstehen sie ihren Hund; Cadmos Verlag: Schwarzenbek

Rugaas, Turid (2001) Calming Signals – Die beschichtigungssignale der Hunde; animal learn Verlag

Material der Therapiehundeausbildung

Jasmin

Als Sozialpädagogin i.A. und zertifizierte Hundeführerin in der tiergestützten Intervention liegt mir das Wohl und die Entfaltung der Persönlichkeit meiner Klienten sehr am Herzen. Zusammen mit meiner ausgebildeten Therapiehündin Holly ist es mir eine Freude, Menschen ein Stück ihres Lebens zu begleiten.