Die Therapiehundeausbildung

1 Aug, 2015

Die Therapiehundeausbildung

Nachdem ich die Therapiehundeausbildung nun schon eine Zeit abgeschlossen habe, wollte ich noch einmal auf den Sinn oder Unsinn der Ausbildung eingehen. In Foren oder Gruppen, die sich über dieses Thema austauschen, gibt es unterschiedliche Meinungen. Die einen halten eine Ausbildung für nicht notwendig und lehnen daher das teure Unterfangen ab, andere hingegen empfinden eine Ausbildung als notwendig. Ich gehöre zu letzterer.

Hat man keine Berufsausbildung in Ergotherapie oder Logopädie, ist man keine Lehrerin, Sozialpädagogin oder arbeitet in sonst einem Beruf in dem man den Hund einsetzen kann, lässt sich auch nur schwer Geld mit der (leider) nicht anerkannten Ausbildung des Therapiehundeteams verdienen. Daher liegt es nahe auch nicht allzu viel Geld zu investieren. Die Meinung ist weitläufig verbreitet, dass der Hund sich sowieso nur streicheln lassen müsse und das könne nun wirklich nicht so schwer sein.

Aus meiner bisherigen Erfahrung kann ich dem nur vehement widersprechen. Der Hund arbeitet in den sozialen Kontakten mindestens genauso hart wie der dazugehörige Mensch. Holly ist nach jedem Einsatz fix und fertig und das, obwohl wir seit ihrer Geburt gezielt trainieren. Es ist also ein fataler Trugschluss, das es für den Hund ein Freizeitvergnügen darstellt und man sollte stets bedenken, dass der Hund ebenso wie das Herrchen/Frauchen unter Stress und Druck steht. Das muss dem Hund und dem Menschen behutsam gelernt werden.

Die Einstellung mein Hund tut ja nix ist in diesem Sektor fehl am Platz. Natürlich freuen sich die Menschen, wenn man mit dem Hund in die Einrichtung kommt und das ist ja auch eines der Ziele die man erreichen möchte. Das ist jedoch genau so zu empfehlen, wie einem Kind eine Schere in die Hand zu drücken und zu sagen schneid mir mal die Haare, blos weil es in der Lage ist mir damit die Haare zu kürzen.

Du musst dir vorstellen, dass diese Ausbildung ja auch nicht allein für den Hund gedacht ist. Ich würde sagen 60% meiner Ausbildung war darauf ausgelegt, mein theoretisches Wissen über den Hund, Körpersprache, verschiedene Einsatzgebiete usw. zu erweitern. Wer kann wirklich von sich behaupten, dass er das nicht bräuchte, wenn er mit Mensch und Hund arbeiten will.

Eine gute Ausbildung hat mehrere Vorteile

  • Dein Hund und du bilden danach ein Team, dass unschlagbar ist
  • Du kannst deinen Hund lesen, erkennst im frühesten Stadium
    • Stressanzeichen
    • Angstzeichen
    • Übersprungshandlungen
    • Aggression
    • Ermüdungserscheinungen
  • Erkennst bestimmte Verhaltensmuster frühzeitig und kannst diese fördern oder unterbinden
  • Kannst deinen Hund in jeder Situation optimal beschützen, stärken und motivieren
  • Dein Hund lernt sich zu 100% auf dich zu verlassen/dir zu vertrauen
  • Dein Hund wird sich immer an dir orientieren, denn du bist der Fels für ihn
  • Bist automatisch selbstsicherer im Umgang, was sich auf deinen Hund überträgt
  • Du lernst alle Einsatzbereiche kennen
  • Bekommst Handwerkszeug für wirklich spannende und originelle Einsätze
  • Du weißt vorher schon wie dein Hund in Einsätzen auf verschiedene Situationen reagiert und musst das nicht im Ernstfall herausfinden.
  • Weißt wie du erwünschtes Verhalten gezielt aufbauen kannst
  • Verbringst produktive Zeit mit deinem Hund und lastest ihn geistig perfekt aus
  • Grundgehorsam und all der normale Unterricht sind abgedeckt
  • Findest die optimale Belohnungsstrategie für erwünschtes Verhalten
  • Dein Hund ist an die Situationen/Gegenstände/Berührungen gewöhnt und hat weniger Stress, was auf lange Sicht sein Leben verlängert.
    • Wichtig hierzu: Hunde die dauerhaft unter Stress stehen, werden  krank und sterben früher. Tierarztkosten sind da vorprogrammiert
  • Hast du ein Therapiehundezertifikat ist es möglich steuerliche Vergünstigungen und einen besonderen Tier-Krankenversicherungstarif zu bekommen

Blicke ich nun auf die Zeit meiner Ausbildung zurück und bedenke den Einsatz, den ich gegeben habe, bin ich überaus zufrieden. Ich bereue nicht eine Sekunde Zeit die ich geopfert habe, ich bedauere nicht einen Euro den ich ausgegeben habe ich zweifele nicht eine Sekunde an meiner Entscheidung diesen Weg eingeschlagen zu haben.

Vergleiche ich mich oder andere Menschen mit ausgebildeten Hunden nun mit Menschen die einen Freizeithund mit in die Arbeit nehmen, sehe ich gravierende Unterschiede und muss das ein oder andere Mal wegsehen. Es ist keine Schande etwas falsch zu machen, man sollte nur darauf achten das man sein falsches Verhalten bemerkt und es dann abändert. Dies benötigt jedoch die Kenntnis über das prinzipiell richtige agieren mit Hund und Mensch in der sozialen Arbeit. Und das fehlt einfach. Nun muss auf Kosten der Klienten ausprobiert und getestet werden, was unseren „Berufsstand Therapiehundeteam“ nicht gerade glänzen lässt. Oder vertraust du einem Bankberater, der erst mal schauen muss wie der Bankautomat funktioniert. Ausbildung, gerade wenn man mit Lebewesen arbeitet ist und bleibt einfach wichtig Punkt Ende Aus. Da kommt man meines Erachtens nicht drum herum

Dabei ist es natürlich von existenzieller Bedeutung welche Ausbildung man wo macht. Nicht unbedingt das teuerste Angebot ist immer das Beste. Ich finde es unglaublich wichtig, dass die Ausbildung kontinuierlich über einen längeren Zeitraum (ein Jahr oder länger) geht. Eine zwei Wochen Block-Unterrichts-Ausbildung ist wohl kaum ernst zu nehmen, da sich gelerntes Verhalten beim Hund niemals so schnell manifestiert. Zudem finde ich es super, wenn man möglichst viele Praxiseinsätze in unterschiedlichen Einrichtungen machen kann. Wichtig dabei natürlich die Anwesenheit der Ausbilderin/des Ausbilders und die Anschließende Reflexion mit Tipps und Ratschlägen. Gastvorträge von Fachkräften (Logo, Ergo, Tierarzt, Sozialpädagogen, Altenpflege Krankenpflege, Ärzten, Lehrern, Erziehern) sind unglaublich wertvoll und sollten bei keiner Ausbildung fehlen. In meiner Ausbildung besonders toll waren die Videoaufnahmen von jeder Aktion die ich mit meinem Hund gemacht habe. Das anschließende reflektieren meiner eigenen Körpersprache öffnete mir mehr als einmal die Augen und verbesserte meine Kommunikation mit meinem Hund nachhaltig. Schlussendlich sollte man auch eine Abschlussprüfung ablegen. Besonders wichtig, der Theorieteil. So kann man noch mal den ganzen Input durchgehen und bemerkt selbst erst wie viel man nun eigentlich gelernt hat. Praktische Prüfungsteile sollten möglichst auch praxisorientiert sein und Abstand nehmen von den üblichen Sitz/Platz/Bleib/Fuß Übungen eines normalen Trainings nehmen, denn das muss der Hund sowieso können. Wir hatten ein Pausenhofszenario zu durchlaufen, mussten ein Rollenspiel mit einem Kind bewältigen und vieles mehr. Im Beitrag „Therapiehundeabschlussprüfung“ und dem Beitrag „Zertifiziertes Therapiehundeteam Oleee Oleee“ ist das etwas ausführlicher beschrieben.

Es gibt einfach unglaublich viele Gründe eine Ausbildung in diese Richtung zu machen, wenn man mit seinem Hund arbeiten möchte. Man darf nicht vergessen, dass unser Angebot noch neu ist und viele Leute/Einrichtungen noch Vorurteile haben. Da ist es einfach unabdingbar, dass wir alles dafür tun, um aus unserer Arbeit eine Profession zu machen. Das kann uns aber nur gelingen wenn wir in unseren eigenen Reihen erstmal davon überzeugt sind, dass unsere Arbeit so wertvoll und anspruchsvoll ist, dass man eine Ausbildung für Mensch und Hund benötigt. Solange wir selbst diese laienhafte Arbeitsweise als ausreichend erachten, können wir nicht verlangen von Menschen ohne Kenntnisse ernst genommen zu werden.

Jasmin

Als Sozialpädagogin i.A. und zertifizierte Hundeführerin in der tiergestützten Intervention liegt mir das Wohl und die Entfaltung der Persönlichkeit meiner Klienten sehr am Herzen. Zusammen mit meiner ausgebildeten Therapiehündin Holly ist es mir eine Freude, Menschen ein Stück ihres Lebens zu begleiten.

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