Klassische Konditionierung

10 Feb, 2015

Klassische Konditionierung

In der heutigen Zeit haben sich die meisten Hundebesitzer von gewaltbezogenem Training abgewandt. Viele Studien zeigen den Weg eines freudigen Lernens als den gewinnbringenderen. Da erschließt sich zunächst einmal ein komplett neues Lernfeld für die Hundebesitzer. Wissen, welches früher für die psychologisch Interessierten vorbehalten war, gehört nun zu der gedanklichen Grundausstattung eines vorbildlichen Hundebesitzers. Daher möchte ich heute einmal auf die Theorie des Klassischen Konditionierens nach Pavlov eingehen und etwas Licht ins Dunkel bringen.

Bei der klassischen Konditionierung „handelt es sich um eine Grundform des Lernens, wobei ein Stimulus oder Ereignis das Auftreten eines anderen Stimulus oder Ereignis hervorsagt“ (Gerrig, 2008 S. 195). Dieses Phänomen wurde erstmals vom russischen Physiologen Ivan Pavlov durch Zufall entdeckt. Bei Forschungen zum Verdauungsverhalten von Hunden führte er folgenden Test durch.

Der Pavlovische Hund

Ein Hund wurde an einem Geschirr festgeschnallt. In bestimmten Abständen erklang ein vorab unbekanntes und unbedeutendes Glockengeräusch, woraufhin der Hund sofort Futter bekam. Anfangs reagierte der Hund weitestgehend neutral auf den Ton und zeigte keine ungewöhnlichen Verhaltensmuster. Wurde diese Verhaltenskette jedoch öfter auf die gleiche Weise durchgeführt dh. Ton –> Futter, Ton –>Futter, veränderte sich das Verhalten des Hundes. Nach einigen Wiederholungen begann der Hund bereits nach dem Glockengeräusch ohne die Zugabe von Futter mit der Speichelproduktion. Der Hund hatte demnach einen zuerst belanglosen Reiz (Ton) mit einem für ihn wichtigen Reiz (Futter) verknüpft. Er zeigte nun die gleichen körperlichen Reaktionen bei dem Ton, als auch bei der Futtergabe. Dies ist mit jedem beliebigen Stimulus wie Ton, Lichtsignale, Bewegungen etc. durchführbar.

Was bringt´s uns?

Genau dieses Phänomen machen sich die meisten Hundebesitzer zu eigen. Unsere allseits beliebte Methode des „Klickerns“ stellt im Grunde nichts anderes dar. Wir konditionieren den Hund auf das klicken des Knackfrosches. Anfangs kann der Hund mit dem knacken genauso wenig anfangen wie der Pavlovische Hund mit dem Glockenton. Dann geben wir unseren Hunden jedoch Futter.

Klick –> Futter; Klick –> Futter; Klick –> Futter

In diesem Schritt konditionieren wir unseren Hund. Enorm wichtig ist, dass zuerst der Klick kommen muss und innerhalb maximal einer Sekunde sollte dann das Futter im Hund sein. Nach einiger Zeit wird der Klick für den Hund nicht nur bedeute: „Toll was zu Fressen“, sondern es werden die gleichen körperlichen Prozesse ausgelöst, als würde er gleich etwas bekommen. Glückshormone werden ausgeschüttet und die Freude und Motivation steigt und das ohne die tatsächliche gabe von Futter. Das heißt natürlich nicht, dass man das Leckerli irgendwann weglassen darf. Wichtig ist, dass auf jeden Klick auch ein Leckerli folgt.

Quelle:

Gerrig, Richard J. und Zimbardo, Philip G. (2008) Psychologie, 18. Auflage, Pearson Deutscland GmbH: München

Schönpflug, Wolfgang (2006) Einführung in die Psychologie, Belz Verlag: Weinheim, Basel

 

Jasmin

Als Sozialpädagogin i.A. und zertifizierte Hundeführerin in der tiergestützten Intervention liegt mir das Wohl und die Entfaltung der Persönlichkeit meiner Klienten sehr am Herzen. Zusammen mit meiner ausgebildeten Therapiehündin Holly ist es mir eine Freude, Menschen ein Stück ihres Lebens zu begleiten.