Ohne Stress allein Daheim

9 Sep, 2013

Ohne Stress allein Daheim

Als ich keinen Hund hatte, habe ich mir nicht besonders viele Gedanken über die Zeit gemacht, die ich außer Haus war. Man geht einfach und hat keine Veranlassung die Stunden zu zählen, die man weg ist. Das hat sich mit Hollys Einzug schlagartig geändert. Plötzlich wurde mir bewusst wie oft ich mal schnell die Wohnung verließ, um die unterschiedlichsten Dinge zu tun. Tja das konnte ich dann erst mal vergessen. Wenn ich raus wollte, dann musste Holly mit. Ich hatte Glück, dass ich mich auf meinen Freund Patrick, meine Mutter und meine Freunde verlassen konnte, denn es gibt Momente in denen man den Hund nicht mitnehmen kann. Sei es nur mal schnell zum Einkaufen oder ins Kino. Auch in Möbelläden dürfen Hunde im Grunde nicht mit und in meinem 400 Euro Job wäre ein Welpe auch nicht besonders gut beim Chef angekommen.

Also muss man dafür sorgen, dass der kleine Welpe anfangs nicht sofort die Panik bekommt wenn er mal alleine ist. Das führt aber gleichzeitig auch dazu, dass jedes noch so kurze allein sein behutsam geübt werden muss. Daher habe ich die ersten zwei Monate für jeden noch so kurzen Termin einen Welpen Sitter aus dem Freundeskreis organisiert. Hauptsächlich war das notwendig für die Zeit in der ich meinem Job nachgegangen bin. Alle anderen Termine verschob ich auf Zeiten, in denen sich meine Mutter oder mein Freund kümmern konnten.

Das heißt jedoch nicht, dass ein Welpe nicht auch mal „allein sein“ aushalten muss. Holly war bei mir ab dem zweiten Tag immer wieder mal alleine.

Begonnen habe ich damit, dass ich bei jedem Toilettengang die Türe hinter mir zu gemacht habe. Erst mal stand Holly draußen und hat gemotzt, aber umso öfter ich das gemacht habe umso normaler wurde das für sie. Zusätzlich hat sie Raumverbote bekommen. Wir haben zum einen die Toilette unter ein Tabu gestellt, denn da steht das Katzenklo drin. Zum zweiten haben wir das Bad unter ein Tabu gestellt. Dies dient ebenfalls dazu, dass der Welpe merkt er kann nicht überall mit kommen, aber dass das auch nicht sonderlich schlimm ist. Die Zeiten in denen ich die Türen hinter mir schloss verlängerte ich systematisch und ich kam auch erst wieder raus wenn Holly das motzen eingestellt hatte.

Eine gute Gelegenheit etwas länger mal die Türe hinter sich zu verschließen, ist ein Bad zu nehmen, welches hoffentlich die angeschlagenen Nerven ein bisschen entspannt.

Als Holly das verstanden hatte, begann ich die Haustüre in das Training einzubinden. Ich nahm meinen Schlüssel zog mir Schuhe an öffnete die Tür, schloss sie wieder, zog mich wieder aus. Das wiederholte ich sehr oft und intensivierte es, als es bei Holly keine negative Reaktion hervorrief. Ich öffnete die Türe trat heraus, schloss sie hinter mir und öffnete sie gleich wieder. Diesen Abstand verlängerte ich immer weiter. Wichtig hierbei ist, dass man die Türe nur öffnet wenn der Hund Ruhe gibt, sonst denkt der Kleine am Schluss noch er könne seinen Besitzer herbei bellen und das wollen wir ja eher nicht.

Nun hatte ich mich nach einigem Training auf eine Zeit von fünf Minuten allein bleiben ohne Terror hochgearbeitet. Ja was soll ich sagen, ich war so eine stolze Hundemama als ich das erste Mal ohne zu rennen den Müll runter gebracht habe. Diese Zeit galt es jetzt zu verlängern, was eigentlich sehr gut klappte.

Nun hatte ich Literatur zu diesem Thema gelesen und habe dadurch erfahren, dass manchen Hunde auch still leiden. Nonverbale Stresssignale konnte ich ja leider durch die Türe nicht sehen. Zum Thema Stress erkennen wird es einen eigenen Beitrag mit dem Titel „Stresssignale des Hundes“ geben. Daher beschloss ich Holly irgendwie zu beobachten. Da mein Freund ein Technikfreak ist und er auch viele Bekannte hat, die ebenfalls Technikfreaks sind, hatte ich schnell die Lösung parat. Eine Kamera mit einer Videobrille, die zeitgleich die aufgenommenen Bilder weiterleitet. Aber eine normale Kamera tut es natürlich auch. So stellte ich das Gerät am günstigsten Platz auf und verließ die Wohnung. Unten setzte ich mich vor das Haus und schaute mir meinen eigenen Holly-Film an.

Tja was soll ich sagen. Langweilig hoch zehn, Gott sei Dank. Sobald ich aus der Türe war legte sich die kleine Maus hin und schlief. Erst als ich unten die Haustüre aufsperrte, sah sie hoch und stand auf. Da wusste ich, dass wir es geschafft hatten. Holly war endlich ohne Stress allein daheim.

Ein weiteres Augenmerk sollte auf das wieder hereinkommen gelegt werden. Den Hund übermäßig zu loben und damit aufzudrehen ist meiner Meinung nach keine perfekte Möglichkeit, denn für den Hund soll das ja normal sein. Also trotz Freude über geschaffte Hürden oder das Wiedersehen „cool down“. Hierzu gibt es jedoch sehr viele verschiedene Ansichten. Von einer Lektüre die anrät den Hund komplett zu ignorieren, bis hin zu beruhigende Worte, über streicheln ist ok gibt es alles.

Anfangs ignorierte ich Holly, jedoch fühlte ich mich dabei nicht wohl und Holly glaube ich genau so wenig. Sie konnte sich sehr lange nicht beruhigen und schwanzelte aufgeregt um mich rum.  Daher ging ich dazu über, und das mache ich heute noch so, reinzukommen, in die Küche zu gehen, alles abzulegen und abzuwarten bis die erste total überschwänglich Freude sich gelegt hat. Mein Freund wird natürlich zuerst begrüßt, ist ja klar :-D. Dann setzte ich mich behutsam zu ihr auf den Boden und streichle den Stress, den sie im Moment hat weg. Dabei ist es wichtig selber sehr ruhig zu sein, langsame und lange Bewegungen zu machen. Wenn ich wieder aufstehe habe ich einen ruhigen Hund ohne jegliche Anzeichen von Stress. Aber das trifft nur bei meinem zu. Ich will einfach sagen, dass es da kein Patentrezept gibt und man nicht alles glauben soll was in den Büchern steht. Mein Literaturtipp und meine Eindrücke dazu sind unter den Büchertipps zu finden.

 

Quelle: Falke, Kristina; Ziemer, Jörg, Entspannt allein So klappt das Allein bleiben bei jedem Hund, Stuttgart: Franch-Kosmos Verlag-GmbH

Jasmin

Als Sozialpädagogin i.A. und zertifizierte Hundeführerin in der tiergestützten Intervention liegt mir das Wohl und die Entfaltung der Persönlichkeit meiner Klienten sehr am Herzen. Zusammen mit meiner ausgebildeten Therapiehündin Holly ist es mir eine Freude, Menschen ein Stück ihres Lebens zu begleiten.

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