Operante Konditionierung

14 Feb, 2015

Operante Konditionierung

Wie auch die „Klassischen Konditionierung spielt auch die „Operante Konditionierung“ seit längerer Zeit eine große Rolle in der Hundeerziehung. Doch wann und wo setzen wir diese Methode ein und wie genau funktioniert das Ganze eigentlich?

Der Begriff „Operante Konditionierung“ beschreibt einen Lernvorgang, bei dem ein zunächst spontanes Verhalten durch Verstärkung/Erfolg gefördert oder durch Bestrafung/Misserfolg unterdrückt wird (vgl. Gerrig, 2008, S. 207)

Edward L. Thorndike forschte etwa zur gleichen Zeit wie auch Pavlov, wählte jedoch als Versuchstier die Katze. Sie wurde in eine Kiste gesperrt, welche durch einen Mechanismus verschlossen war. Aufgabe der Katze war es nun herauszufinden, wie sich die Box öffnen ließ, um an das draußen aufgestellte Futter zu gelangen. Thorndike beobachtete hierbei, dass die Katze zuerst wild kämpfend versuchte in die Freiheit zu gelangen. Durch eine impulsive Handlung öffnete sich die Türe zufällig und die Katze konnte heraus. Wurde der Versuch nun mit der gleichen Katze wiederholt, „wurden alle anderen nicht erfolgreichen Impulse in den Hintergrund gedrängt und exakt der erfolgreiche Impuls wurde durch die resultierende Freude hervorgehoben“ (Gerrig, 2008, S. 207 zit. Thorndike, 1898, S.13).

Diese Lerntheorie unterliegt einigen Gesetzmäßigkeiten die es zu wissen gilt um Erfolgreich mit dem Hund zu arbeiten

Die Effektmäßigkeit besagt, aus der Fülle von Verhaltensweisen, welche ein Tier ausprobiert, werden nur die dauerhaft beibehalten, welche aus Sicht des Tieres irgendeine Art von Erfolg haben. Bei jeder dauerhaften Verhaltensweise muss man sich also Fragen, welchen angenehmen Effekt hat das Verhalten für den Hund. (ebd. S. 206f)

Das Gesetz der Bereitschaft meint, dass diese Art von Lernen nur stattfinden kann, wenn das Tier durch sein eigenes Handeln/Verhalten den Vorgang aktiv auslöst. Es muss also bereit sein etwas auszuprobieren, um etwas lernen zu können (hierbei liegt der Unterschied zum Klassischen Konditionieren)

Das Frequenzgesetz besagt, dass ein Verhalten, welches dauerhaft beibehalten werden soll, auch immer wieder Erfolg bringen muss.

Generalisierung und Differenzierung sind hierbei gerade bei Tieren nicht vorauszusetzen. Zunächst wird der Erfolg/die Bestrafung nur in derselben Situation erwartet. Durch Erfahrung und häufige Variation, lernt das Tier nun, genau zu unterscheiden in welchen Situationen und mit welcher Verhaltensweise es Erfolg erwarten darf oder Misserfolg befürchten muss.

 

Wie Belohne ich meinen Hund?

Wichtig für den Trainingserfolg ist, dass eine Belohnung vom Hund auch als Belohnung und eine Bestrafung auch als Bestrafung empfunden wird.

Nehmen wir mal ein Beispiel: Frau Mayer trainiert am Hundeplatz mit ihrer Hündin Frieda und Frieda hat die „Bleib“ Übung sehr toll gemeistert. Zur Belohnung geht Frau Mayer zu ihrer Hündin, tätschelt ihr den Kopf und klopft sie zur Bestärkung ein paar Mal auf die Seite. Bei der nächsten Bleib-Übung sucht Frieda ihr Heil im Spiel mit den anderen Hunden. Was ist passiert????

Frieda hatte in keinster Weise das Gefühl gelobt zu werden. Die meisten Hunde hassen es, gerade in einer Situation des Trainings, am Kopf angefasst zu werden und das beliebte ich klopfe meinen Hund auf die Seite empfinden die meisten Hunde als nicht angenehm. Hätte Frauchen, Frieda zur Belohnung den Ball geworfen oder ein super tolles Leckerchen gegeben, wäre die Hündin bei der nächsten Übung bestimmt mit Feuereifer dabei gewesen. Daher ist es stets wichtig zu wissen was mein Hund als Belohnung empfindet und was als Bestrafung. Leider kann man sich hier niemals an anderen Hundehaltern orientieren, denn was der eine als Belohnung empfindet kann für den anderen schon eine Strafe sein. Eine tolle Methode hierbei ist es, eine Liste zu erstellen in der man unterschiedliche Verstärker nach Beliebtheit kategorisiert. Dabei macht es einen riesen Spaß, auszuprobieren bei welcher Methode mein Hund vor Begeisterung schier verrückt wird.

Bei Holly sieht das so aus

  1. Ein ruhiges „gut gemacht, super“ mit Blickkontakt und Lächeln
  2. Ruhiges streicheln an der Brust auf Höhe des Hundes (Situationsabhängig)
  3. Ein normales Leckerchen
  4. Ein gutes Leckerchen (Fleischwurst, Tube, Käse, Putenbruststückchen etc.)
  5. Ein quietschigeres „gut gemacht“ ohne Körperkontakt mit Leckerchen
  6. Eine Hand voll Leckerchen mit Lob und quietschen
  7. Eine Hand voll Leckerlies auf den Boden schmeißen und suchen lassen
  8. Spieli schmeißen und sausen lassen
  9. Auflösungskommando und körperbetontes Spiel mit mir
  10. Auflösungskommando und körperbetontes Spiel mit mir und mit Spieli (Jackpot)

 

B.F. Skinner erkannte das Potenzial der Erkenntnisse Thorndikes und entwickelte ein Forschungsprogramm mit Ratten als Versuchstiere „dessen Zielsetzung darin bestand, durch systematische Variation der Reizbedingungen den Einfluss von Umweltbedingungen auf die Auftretenswahrscheinlichkeit von Reaktionen zu untersuchen“ (Gerrig, 2008, S. 207)

Das ganze stellt sich folgendermaßen dar:

Operantes Konditionieren

Wichtig ist in jedem Fall, dass man seinen eigenen Hund gut kennt und sich dann auch nach dessen Belohnungswünschen richtet. Auch ich merke hin und wieder, dass ich meinen Hund gerade so gelobt habe wie es mir gefällt und nicht wie mein Hund sich das wünschen würde. Hat man das jedoch immer im Hinterkopf ist das schon mal die halbe Miete.

 

 

Quelle:

Gerrig, Richard J. und Zimbardo, Philip G. (2008) Psychologie, 18. Auflage, Pearson Deutscland GmbH: München

Schönpflug, Wolfgang (2006) Einführung in die Psychologie, Belz Verlag: Weinheim, Basel

Arbeitsmaterial aus der Therapiehundeausbildung

Arbeitsmaterial Psychologie Abitur 2012

 

 

Jasmin

Als Sozialpädagogin i.A. und zertifizierte Hundeführerin in der tiergestützten Intervention liegt mir das Wohl und die Entfaltung der Persönlichkeit meiner Klienten sehr am Herzen. Zusammen mit meiner ausgebildeten Therapiehündin Holly ist es mir eine Freude, Menschen ein Stück ihres Lebens zu begleiten.