Therapiehund – Ein Tag voller Missgeschicke

23 Sep, 2013

Therapiehund – Ein Tag voller Missgeschicke

Holly in der frisch gemähten WieseHeute war es endlich so weit. Das Treffen mit der Trainerin der Therapiehundeausbildung stand an. Ich war sehr aufgeregt. Holly ist jedoch gut vorbereitet gewesen. Wir mussten ziemlich früh los und mit der S Bahn durch die halbe Stadt fahren. Das ist immer wahnsinnig anstrengend für Holly und mich. Viele Leute fassen Holly einfach an oder versuchen sie zu sich her zu locken. Holly springt mit ihrer freundlichen Art natürlich sofort auf alles an. Und für mich wird es durch ihr geschlecke und gewusel immer sehr nervenaufreibend. Naja, so ist das halt scheinbar. Leider ging nicht alles glatt heute.

Zuerst hatte der Bus Verspätung, so dass wir ziemlich zur S-Bahn hetzen mussten. Da wird mein kleiner Bär dann immer total aufgeregt und kann sich nicht mehr so schnell beruhigen. Aber wir haben es durch einen Sprint gerade noch geschafft. Die S-Bahn fuhr verhältnismäßig langsam, sodass ich die ganze Zeit unter Strom stand, den Anschlusszug noch zu erwischen. Nach drei Leuten, die mich ansprachen wie süß doch mein Hund wäre und ob man die denn Streicheln dürfe, war ich mit den Nerven schon ziemlich runter und ich hatte noch nicht mal die Hälfte des Wegs geschafft. Meine Angst, den Anschlusszug zu verpassen, hätte ich mir getrost sparen können, denn dieser hatte selbst 10 Minuten Verspätung. Dies führte jedoch dazu, dass ich den Rest der Fahrt wieder auf heißen Kohlen saß, denn es galt einen Bus zu erwischen. Nach weiteren vier Lockversuchen von Passanten, bohrenden Fragen über Holly und gewusel waren wir endlich an der richtigen Haltestelle angekommen und stiegen aus.

Ich lag trotz Verspätung der S Bahn sehr gut in der Zeit. Wenn ich den nächsten Bus, der meiner Ansicht ja in ein paar Minuten kommen sollte, nehmen würde, wäre ich immer noch 30 Minuten zu früh dran. Nur leider fuhren die Busse hier nicht im gewohnten 20 Minuten Takt. Der nächste Bus würde in 2 Stunden und 30 Minuten abfahren. Oh Mann Katastrophe. Bis zu meinem Treffpunkt zeigte Google eine Strecke von fünf Kilometern und eine Laufzeit von 45 Minuten an. Für mich allein ok aber mit einem fünf Monate alten Junghund problematisch, vor allem unter diesem Zeitdruck. Nun bemerkte ich auch, dass ich die Telefonnummer der Trainerin gar nicht hatte um ihr Bescheid sagen zu können, dass ich zu spät kommen würde. Mein Akku war fast leer und ich hatte kein Geld für ein Taxi dabei. Zudem war das Taxiunternehmen dort eher dubios, ich hatte noch nie einen schwarzen BMW als Taxi gesehen und in dem Taxiunternehmen sprach kein Mensch deutsch. Also schnell wieder raus. Ich war dezent verzweifelt und beschloss los zu laufen, was blieb mir anderes über. Die Zeit drängte, ich wusste den Weg nicht. Meine kleine Holly spürte das alles sehr genau und wurde von Minute zu Minute nerviger und unsicherer. Irgendwann beschloss ich mal bei der Sekretärin anzurufen und sprach dort auf den Anrufbeantworter. Als mich die Trainerin auf meinem Handy zurück rief konnte ich ihr gerade noch erklären, dass ich auf dem Weg sei bevor mein Akku endgültig den Dienst verweigerte. Super, Super, Super. Mitten in Grünwald, viel zu spät, ohne Orientierung mit einem Hund, der durch mein Verhalten so verunsichert war, dass er plötzlich Mülltonnen und Statuen an knurrte. Ich fragte mich durch, bis ich nach einer Ewigkeit  auf der Zielstraße angekommen war. Ich musste einem matschigen Waldweg folgen in dem sich Holly erst mal den Frust von der Seele laufen durfte, nur blöd das sie danach ziemlich verdreckt war, aber ist ja nicht so, dass wir positiv hätten auffallen müssen. Endlich am Treffpunkt angekommen suchte und suchte ich wo ich genau hin müsse. Es vergingen weitere 15 Minuten bis ich den richtigen Weg fand, wer hätte schon gedacht, dass so eine Begutachtung in einem Hotelrestaurant stattfinden würde.

Mein Zwischenresümee. Wir waren 40 Minuten zu spät, ich war mit den Nerven am Ende, der Hund war total verstört durch mein Verhalten und zudem noch ziemlich vermatscht vom Wald. Ich bin mir sicher wir haben ein tolles Bild abgegeben in diesem Pik feinen Lokal. Naja dachte ich, nun sind wir da und alles auf Anfang. Ich trat an den Tisch heran und wollte die Trainerin gerade begrüßen als mein kleiner Bär an mir vorbei schoss, hoch sprang und ihre ziemlich matschigen Pfoten auf die weiße Tischdecke drückte. Fast wäre mir da der Standard Hundespruch: „Das hat sie ja noch nie gemacht“, rausgerutscht, aber ich biss mir auf die Zunge und hob die Vorderpfoten von Holly wieder auf den Boden. Meine Gesichtsfarbe zu diesem Zeitpunkt will ich gar nicht wissen. Ich nahm natürlich alle Schuld auf mich, ich meine immerhin habe ich dem Zwerg jetzt ganz schön viel zugemutet. Was die Trainerin dachte kann ich nicht einschätzen.

Na gut wieder alles auf Anfang kann ja jetzt nur noch besser werden. Ich bestellte ein Wasser für Holly und der Kellner brachte eine riesige Schüssel mit sehr viel Wasser. Wir begannen zu reden und ich dachte schon meine Pechsträhne wäre vorbei. Doch dann habe ich den Kellner zu spät gesehen, der sich auf uns zu bewegte, um mich nach meinem Wunsch zu fragen. Holly dachte:“Oh jippi wieder Besuch für mich“, so wie die ganze Zeit auch in der S Bahn. Bloß erkannte ich diesen Vorgang zu spät. Der Kellner kam näher, Holly sprang auf, der Kellner wich zurück, woraufhin Holly einen weiteren Sprung nach vorne machte und damit die Wasserschüssel mit so viel Elan hoch katapultierte, dass der Kellner bis in den Schritt triefend nass war.

Wo ist mein Loch in dem ich mich nun verstecken kann.

Ich entschuldigte mich und nahm natürlich wieder die ganze Schuld auf meine Kappe. Wie konnte ich den armen Hund so verstören, dass er außer Rand und Band war. Nach ca. 10 Minuten war die Überschwemmung von dem nassen Kellner beseitigt worden und wir führten unser Gespräch fort. Überraschenderweise war Hollys Verhalten kein Ausschlusskriterium und wir vereinbarten das weitere Vorgehen. Die Praktikantin fuhr mich an den nächst gelegenen Bahnhof und nach weiteren zwei Stunden war ich endlich Zuhause.

Die Ausbildung sieht vor einmal die Woche ein treffen in Grünwald und einmal in Bad Tölz was noch weiter entfernt liegt. Der einmalige Weg dort hin hat schon so viele Nerven gekostet und ich weiß nicht, ob ich das jede Woche schaffen kann.

Fazit des Tages: Frauchen kann ihre Farbe von weiß in tief rot verändern und Holly wird trotzdem von allen geliebt.

Jasmin

Als Sozialpädagogin i.A. und zertifizierte Hundeführerin in der tiergestützten Intervention liegt mir das Wohl und die Entfaltung der Persönlichkeit meiner Klienten sehr am Herzen. Zusammen mit meiner ausgebildeten Therapiehündin Holly ist es mir eine Freude, Menschen ein Stück ihres Lebens zu begleiten.

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